Ansicht von anolink ZNA, dem digitalen Wartezimmer

Viele Notaufnahmen in Kliniken gelten als überlaufen, Personal und Patient*innen sind oftmals gestresst. Durch die Nutzung ihres eigenen Handys will das Startup anonetics den Aufnahmeprozess für die Patient*innen erleichtern und das Personal entlasten. Die IFB Innovationsstarter fördern die Weiterentwicklung der Lösung mit dem InnoRampUp-Programm. 

Lange Wartezeiten, zu wenig Personal: Notaufnahmen genießen nicht den besten Ruf. „Viele sind chronisch unterfinanziert, die Prozesse oft extrem ineffizient“, beschreibt Lennox Yuma Marten, Co-Gründer des Digital-Health-Startups, die Situation. Zumindest partiell Abhilfe schaffen soll das von anonetics entwickelte digitale Wartezimmer, das die Patient*innen per QR-Code auf ihrem Handy betreten. Anolink ZNA, so der Name der Software, begleitet sie auf ihrem Weg durch die Klinik, die Patient*innen füllen auf ihrem Smartphone Formulare aus, können Verträge unterzeichnen, Dokumente einsehen und werden auch per Handy zur Behandlung aufgerufen.

Mehr als 30 Sprachversionen deckt die Software ab, die die immer noch weit verbreitete, zeitaufwändige Nutzung von Papier ersetzen soll. Marten ist davon überzeugt, dass das Angebot auch praktikabler ist als Alternativlösungen wie Terminals oder Tablets – und effizienter. „Das Personal wird spürbar entlastet, die Dokumentation verbessert. Die Patienten können die Wartezeit sinnvoll nutzen, zudem wird Transparenz und damit Kundenzufriedenheit geschaffen.“ Alle Daten führt die Software mit der bestehenden IT im Krankenhaus zusammen. 

Gründer von anonetics Lennox Yuma Marten (links) und Fabian Dworschak

Gründer von anonetics Lennox Yuma Marten (links) und Fabian Dworschak

Ein Dutzend Kliniken bundesweit testen derzeit die Lösung das Startups, das seine Wurzeln in der NORDAKADEMIE in Elmshorn hat. Dort studierten Marten und sein Mitgründer Fabian Dworschak Wirtschaftsinformatik. Dworschaks Vater ist niedergelassener Arzt, die ursprüngliche Idee des Duos war es, den Datenaustausch zwischen den Praxen zu digitalisieren und das Faxgerät im Gesundheitswesen überflüssig zu machen. Erste Investoren stiegen ein, aus der Idee entwickelte sich im Austausch mit Kliniken schließlich das digitale Wartezimmer.  

Wichtiger Bestandteil ihres Angebots ist die anolink Data Engine. „Die Notaufnahmen erheben zwar viele Daten, nutzen sie aber zu wenig“, meint Fabian Dworschak. Wer kommt wann mit welchen Symptomen? Wie viele Berufsunfälle sind darunter? Wie lang sind die Wartezeiten zu welchen Tageszeiten? Muss das Personal anders verplant werden? „Die Data Engine ermöglicht erstmals eine strukturierte und standortübergreifende Auswertung der Prozesse und schafft die Grundlage für eine datenbasierte Steuerung“, erläutert Dworschak. 

Unter anderem zum Ausbau der Data Engine nutzt das Startup die Förderung aus dem InnoRampUp-Programm der Innovationsstarter, einer Tochter der IFB Hamburg. DeepTech-Startups, die transformativ wirken und eine realistische Chance auf wirtschaftlichen Erfolg haben, unterstützt das Programm in der Startphase mit Zuschüssen bis zu 150.000 Euro. „Super wichtig“ für die Weiterentwicklung sei die Förderung, meint Lennox Yuma Marten. Die Entwicklungspower will anonetics weiter steigern, das Team ist auf mittlerweile fünf Personen angewachsen.

Eine Voraussetzung für die Förderung ist Unternehmergeist. Den hat das Duo, keine Frage. „Unsere Intention war von Anfang an, etwas Eigenes zu bauen, ein eigenes Produkt zu schaffen“, sagt Dworschak. Neben der technischen Weiterentwicklung wollen die Gründer ihre Energie vor allem in die Marktskalierung stecken. „Wir haben jetzt die finanzielle Möglichkeit, auch auf Messen präsent zu sein oder unser Produkt in weiteren Kliniken vorzustellen“, so Lennox Yuma Marten.