Die HF GROUP mit Sitz in Hamburg-Harburg hat als erste der Branche eine digitale Lösung zur Überwachung und Optimierung von Reifenheizpressen entwickelt. Ziel ist es, die Produktivität der Maschinen zu steigern, Wartungsprozesse zu verbessern und den Energieverbrauch transparenter zu machen. Die IFB Hamburg hat das Projekt im Programm PROFI Umwelt Transfer gefördert.
Der weltweite Reifenmarkt ist von intensivem Wettbewerb geprägt. Rund eine Milliarde Reifen werden jährlich weltweit allein für den Pkw-Bereich abgesetzt, hergestellt mit Reifenheizpressen, wie sie die HF GROUP anbietet. „Im internationalen Wettbewerb entscheiden heute häufig innovative, qualitative und zuverlässige Lösungen über den Zuschlag – nicht allein der Preis“ sagt Jeremias Neuhaus, Global Head of Digital Solutions.
Jeremias Neuhaus, Global Head of Digital Solutions
Eine solche Innovation ist aus dem Projekt „Digital-Curri – Digitale Zustandsüberwachung und Instandhaltungsempfehlungen für Reifenheizpressen für ökonomische und ökologische Optimierungen“ entstanden. Reifenrohlinge werden unter hohem Druck von bis zu 30 bar und Temperaturen bis zu 220 Grad Celsius „gebacken“. Das Verfahren ist energieintensiv, die Maschinen werden nicht immer optimal gefahren, ein permanentes, datenbasiertes Monitoring ihres Zustandes war bislang nicht möglich. Das hat sich mit „Digital-Curri“ geändert. „Wir können jetzt in Echtzeit die Maschinen überprüfen, Wartungen bedarfsgerechter planen, Stillstandzeiten reduzieren und den Energieverbrauch transparent machen“, erläutert Jeremias Neuhaus.
Gut 200 Reifen am Tag produziert eine der von dem Unternehmen hergestellten Reifenheizpressen. In einer mittelgroßen Reifenfabrik stehen um die Hundert dieser Maschinen. Durch die digitale Zustandsüberwachung können Potenziale zur Einsparung von bis zu 18 Tonnen CO2-Equivalente aufgezeigt und die Produktivität um jährlich bis zu 1.500 Reifen pro Heizpresse erhöht werden. „Für uns hatte das Projekt auch deshalb einen hohen Stellenwert, weil es für den Wandel des Unternehmens vom reinen Maschinenbauer hin zu einem ganzheitlichen Lösungsanbieter steht und unser Angebot um digitale Services und datenbasierte Lösungen erweitert. Wir kombinieren Maschinenbau mit digitalen Technologien und verbessern damit unsere Position im Wettbewerb“, sagt Neuhaus.
Bei der Entwicklung hat sich das Unternehmen, das weltweit 1.850 Mitarbeitende an 15 Standorten beschäftigt und Lösungen in der Gummi- und Kunststoffverarbeitung anbietet, Unterstützung geholt. Für die Softwareentwicklung im Bereich des maschinellen Lernens war der HITeC e.V., das Forschungs- und Technologietransferzentrum des Fachbereichs Informatik der Universität Hamburg mit an Bord. Neuhaus ist voll des Lobes für die Kooperation. „Durch sie haben wir gerade für das Thema maschinelles Lernen Kompetenzen aufbauen können, die wir ohne HITeC kaum erreicht hätten. Der Wissenstransfer hat uns sehr geholfen.“
Ansicht der Software der HF Group
Zusammengebracht hat die Partner die IFB Hamburg, die das Projekt im Rahmen des Programms PROFI Umwelt Transfer gefördert hat. Es unterstützt die Entwicklung innovativer Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen, die einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten, mit bis zu einer Millionen Euro. Im Fall der HF GROUP, die auch unter dem Namen „Harburg-Freudenberger Maschinenbau GmbH“ in Deutschland bekannt ist, betrug die Fördersumme 622.000 Euro. Die Geschwindigkeit und Breite, mit der das Projekt verwirklicht wurde, sei nur durch die Förderung möglich geworden, meint Neuhaus.
„HF Xplore“ heißt das Produkt, das aus Digital Curri entstanden ist, und das die HF GROUP erfolgreich vermarktet. Es wird permanent weiterentwickelt, etwa um möglichst präzise den CO2-Fußabdruck pro Reifen dokumentieren und Hebel für dessen Verringerung aufzeigen zu können. Auch die Maschinenverfügbarkeit soll aufgrund der Datenanalyse weiter verbessert werden. Inzwischen bietet das Unternehmen für andere Maschinen ein ähnliches Produkt. „Für uns ist Digital Curri eine schöne Erfolgsstory“, sagt Neuhaus.