Das Interesse an ihnen ist gewaltig. Colipi hat ein patentiertes Verfahren entwickelt, das CO2 für die Herstellung von klimafreundlichem Öl nutzt – als Alternative zu Palm- oder Pflanzenöl. Gefördert wurde das Startup unter anderem durch das InnoRampUp-Programm und aus dem InnoStarterFonds der IFB Innovationsstarter GmbH.
Um das Potenzial ihrer Technologie zu beschreiben, greift Maximilian Webers gerne zu anschaulichen Bildern. „Allein die weltweite Pflanzenölproduktion blockiert derzeit eine Fläche von der Größe Indiens“, erzählt Webers. Was wäre, wenn man diese für andere Zwecke nutzen könnte, etwa für die Nahrungsmittelproduktion? „Wir glauben fest daran, dass durch unser Verfahren aus Biomaterialien massenhaft Öle zu fairen Preisen und ohne umweltschädliche Einflüsse herstellbar sind.“
Soll ein Massenprodukt werden: Klimaöl von Colipi.
Webers ist einer der Gründer des Startups Colipi, dessen Wurzeln an die Technische Universität Hamburg zurückreichen. Dort hat Dr. Philipp Arbter, ein weiterer Gründer, über Ölhefen promoviert – und wollte unbedingt, dass die Technologie den Markt erreicht. Sie besteht, kurz gesagt, aus zwei Verfahren: der Transformation von Bioabfällen mittels Fermentation durch Hefen und der Verwertung von CO2 durch genmanipulierte Bakterien. Im Ergebnis entsteht ein Produkt, das die Gründer „Klimaöl“ nennen und das als direkter Ersatz für nicht nachhaltige Pflanzenöle verwendet werden kann, etwa von der Kosmetik- oder der Lebensmittelindustrie.
Ein Jahr nach der Gründung wurde Colipi 2023 mit dem „Future Hamburg Award“ ausgezeichnet, über das InnoRampUp-Programm gefördert und später mit dem InnoStarterFonds weiterfinanziert. InnoRampUp unterstützt Existenzgründende mit hochinnovativen und technologiebasierten Geschäftsmodellen (DeepTech) mit Zuschüssen von bis zu 150.000 Euro in der Startphase. Der InnoStarterFonds beteiligt sich mit Venture Capital in einer Höhe von bis zu 1,5 Mio. Euro an Startups, um das Wachstum der Unternehmen zu beschleunigen.
„Die Förderung kam genau zum richtigen Zeitpunkt“, sagt Webers. „Sie hat unsere Sichtbarkeit erhöht und ermöglichte uns zusätzliche Investitionen.“ Das Startup kaufte weitere Bioreaktoren, zog um in Räumlichkeiten im Harburger Technologiepark Tempowerk und erweiterte das Team von ursprünglich vier Gründern auf inzwischen 18 Mitarbeitende. Auch eine weitere Finanzierung von insgesamt knapp zwei Mio. Euro von Investoren und weitere staatliche Zuschüsse sicherten sich die Jungunternehmer.
Komplexe Geräte: Dr. Fabian Freiberger, Mitarbeiter von Colipi, arbeitet am Bioreaktor
Zwei bis drei Kilogramm CO2 braucht es theoretisch, um mit Hefen ein Kilogramm Öl zu produzieren. Diesen Rohstoff für sein Klimaöl will das Startup künftig unter anderem aus der Abluft von Müllverbrennungsanlagen der Stadtreinigung herausfiltern. „Das muss nicht aufwändig verflüssigt und gespeichert werden. Ab mindestens fünf Prozent CO2 in der Abluft kann sinnvoll fermentiert werden. Die giftigen Moleküle filtern wir vorher raus“, sagt Webers. Für das Wachstum der Hefen stellen Lebensmittelkonzerne Bioabfälle zur Verfügung – je homogener sie sind, desto besser.
Noch ist Colipi ein Forschungs-Startup, es sind noch viele technische Fragen zu klären. Doch Öl wird bereits in kleinen Mengen produziert, Pilotkunden sind gefunden. „Unser Ziel ist es, Industriepartnern dabei zu helfen, ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren und nachhaltige Konsumgüter herzustellen, die zur Lebensqualität künftiger Generationen beitragen“, meint Webers. Spätestens bis 2028 will das Startup auch kommerziell erfolgreich sein. „Wir werden auch den Bakterien beibringen, Öl zu produzieren; danach geht es vor allem darum, die Menge zu steigern.“