Wie Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre entfernt werden kann, ist eine der großen Fragen unserer Zeit. Das Hamburger Unternehmen „Planeteers“ hat eine Technologie entwickelt, die auf in einem Reaktor erzeugte hydratisierte Carbonate setzt. Ein Prototyp der Anlage entsteht mithilfe des Programms PROFI Umwelt der IFB Hamburg.
Das Patent für die Technologie ist erteilt, im Labor funktioniert sie bereits, ein Pilotkunde ist bereits gefunden: 2026 soll „Ocean Crystals“, so der Name des Projekts, in einem Fjord erprobt werden. Fragt man die Projektverantwortliche Pia Schlemmer nach dem Potenzial der Technologie, so sagt sie: „Wir sind überzeugt von der industriellen Umsetzbarkeit des Verfahrens, mit ihm können Megatonnen an CO2 abgebaut werden.“ Nicht im kommenden Jahr, aber in 15 Jahren.
Reaktor von Planeteers, mit dem die hydratisierten Carbonaten wie das Mineral Ikait hergestellt werden
In einem Fjord wird „Ocean Crystals“ deshalb erprobt, weil die hydratisierten Carbonate wie Ikait in kühlem Wasser besser reagieren als in warmem. Auch für ihre Herstellung sind kühle Temperarturen vorteilhaft, zudem gibt es vor Ort jede Menge grünen Strom. Die Produktion erfolgt, stark vereinfacht dargestellt, in einem mehrstufigen Druckverfahren unter Hinzugabe von Kalk und CO2. Das daraus entstehende metastabile Mineral Ikait wird in einen Fjord eingebracht, dort löst es sich auf und reagiert mit CO2 zu Hydrogencarbonat, das langfristig im Meer gespeichert bleibt. Durch die mit dem Prozess verbundene erhöhte Alkalinität verbessert sich zudem die Fähigkeit des Ozeans, CO2 auf natürlichem Wege aus der Atmosphäre aufzunehmen und zu speichern.
Die Universität Hamburg ist über Prof. Dr. Jens Hartmann, Leiter der Arbeitsgruppe Aquatische Geochemie am Institut für Geologie, an „Ocean Crystals“ beteiligt. Expertise steuerten auch die Universitäten in Edinburgh und Oxford bei. Neuland betritt das Unternehmen nicht nur mit dem Herstellungsverfahren, sondern auch mit der Entwicklung eines Monitoring-, Reporting- und Verifikationssystems. Es soll die präzise Erfassung der Speicherstabilität und Umweltwirkung ermöglichen und dient als Grundlage für die Verifizierung und den Verkauf von CO2-Zertifikaten.
Mit 361.000 Euro im Rahmen von PROFI Umwelt fördert die IFB Hamburg das Projekt, das noch bis Ende September 2026 läuft. Das Programm unterstützt Vorhaben, die neue oder wesentlich verbesserte Produkte, Verfahren und Dienstleistungen im Bereich der Umweltinnovationen zum Ziel haben und damit zur Ressourcen- und Emissionseinsparung beitragen, mit bis zu 500.000 Euro für Einzelprojekte. Bewerben für PROFI Umwelt können sich Hamburger Unternehmen jeder Größenordnung und Branche, auch in Kooperationen mit Hamburger Universitäten oder Forschungseinrichtungen. Kooperationsprojekte wie diese werden mit bis zu 1 Million Euro gefördert. „Durch die Förderung konnten die Universität und wir neue Stellen schaffen. Ohne sie hätten wir das Projekt kaum auf die Beine stellen können“, meint Pia Schlemmer.