Fischbällchen aus kultivierten Fuschzellen

Das mehrfach ausgezeichnet Unternehmen Bluu will Fisch aus Zellkulturen auf den Tisch bringen. Die Technologie funktioniert, jetzt geht es darum, sie zu skalieren und effizienter zu gestalten. Die IFB Hamburg unterstützt diesen Prozess mit dem Förderprogramm PROFI Umwelt.

Arbeit an kultiviertem Fisch bei Bluu

Fisch für den Tisch zubereiten im Bluu-Labor

Die Ziele sind ambitioniert. Im Labor will Bluu Nahrung für eine wachsende Weltbevölkerung produzieren, ohne die schädlichen Nebenerscheinungen des industriellen Fischfangs und von Aquakulturen. Mit Produkten, die in Geschmack und Nährstoffgehalt frisch gefangenem Fisch gleichen, zu konkurrenzfähigen Preisen und geringeren CO2-Emissionen. Auf dem Weg dorthin ist das 2020 gegründete Unternehmen weit gekommen. „Wir werden inzwischen als potenzielle Zukunftstechnologie ernst genommen“, sagt Bluu-Manager Dr. Cornelius Lahme.

Was der Organismus auf natürlichem Wege erledigt, bildet das Startup in vitro nach. Zunächst in kleinen, bis ein Liter umfassenden Bioreaktoren. Inzwischen ist man bei 500 Liter angekommen, in denen die Fischzellen in einer Nährstofflösung schwimmen und sich vermehren, bei ähnlichen Temperaturen und pH-Wert wie im Fischkörper, unter sterilen Bedingungen. Das geschieht etwa mit Zellen von Regenbogenforellen oder Atlantik-Lachs, grundsätzlich ist die Technologie auch für andere Zelllinien anwendbar.

Was simpel klingt, ist tatsächlich hochkomplex. So dürfen die Zellen nicht verklumpen, allein für ihre Ernährung gibt es Hunderte von Möglichkeiten. Die Ernte, die schonende Abtrennung der Zellen aus Kulturmedium, soll möglichst kontinuierlich erfolgen. In dem von der IFB Hamburg mit 326.000 Euro geförderten Projekt geht es im Wesentlichen darum, mehr Biomasse zu gewinnen, die Ausbeute weiter zu erhöhen. „Wir wollen sie um bis zu 400 Prozent steigern“, sagt die Biotechnologin Dr. Karen Wohlers. Auch der ökologische Fußabdruck der Produktion soll minimiert werden, etwa durch die Verringerung der anfallenden Abfallstoffe oder einer Verbesserung der Energieeffizienz. 

Teamfoto von Bluu

Team Bluu

Die Wurzeln von Bluu gehen zurück auf die Lübecker Fraunhofer-Einrichtung für Individualisierte und Zellbasierte Medizintechnik, an der der Co-Gründer Dr. Sebastian Rakers als Wissenschaftler wirkte und zu Fischzellen forschte. Warum das Team Hamburg als Standort wählte? „Hier gibt es viele andere Food-Unternehmen, in der Marzipan-Fabrik in Altona haben wir gute Räumlichkeiten gefunden und es ist auch leichter internationale Fachkräfte zu finden“, sagt Cornelius Lahme. Aus zwölf Ländern stammen die 30 Mitarbeitenden von Bluu. 

Gefördert wird das Unternehmen im Rahmen von PROFI Umwelt. Mit dem Programm unterstützt die IFB Hamburg Vorhaben von Hamburger Unternehmen, die zur Entwicklung innovativer Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen führen und zugleich einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten. Die Fördersumme beträgt bis zu 500.000 Euro bei Einzelprojekten und einer Millionen Euro bei Kooperationsprojekten. „Es ist immer wichtig, Dinge im kleinen Maßstab zu prüfen, entscheidend ist aber, ob sie auch im großen Maßstab funktionieren. Das zu tun, ermöglicht uns die Förderung“, meint Dr. Karen Wohlers. 

2026 will Bluu mit einem Partner die Fischzellen erstmals in einem Bioreaktor mit einem Volumen von 1.000 Litern produzieren. In Form von Fischbällchen, als Bestandteil von Fischstäbchen oder auch als Kaviar könnten sie auf den Markt kommen. Die Einsatzmöglichkeiten der Zellkulturen sind vielfältig, nicht nur für Lebensmittel. So hat das Unternehmen seit kurzem einen weiteren Markt im Visier: den von hochwertigen Gesundheits- und Hautprodukten. Hier könnten die Fischzellen aus dem Bioreaktor als Inhaltsstoffe Verwendung finden.