Straßenbaustelle 4.0 | IFB Hamburg

Straßenbaustelle 4.0

Ein Forschungsprojekt der WPS – Workplace Solutions GmbH und der Universität Hamburg, gefördert von der IFB Hamburg, soll die Baustellenplanung revolutionieren. Weniger Staustunden, geringere Emissionen und reduzierte Planungskosten sind das Ziel.

Autofahrer fürchten sie: Baustellen. Kaum ist eine beendet, scheint schon die nächste aufzutauchen mit der immer gleichen Folge: Stau. Um die Baumaßnahmen besser zu koordinieren, hat die WPS – Workplace Solutions GmbH gemeinsam mit dem Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer der Stadt Hamburg (LSBG) eine weltweit einmalige Software entwickelt: ROADS heißt sie, was für „Roadwork Administration and Decision System“ steht oder auf Deutsch: „Straßenarbeits-, Planungs- und Entscheidungssystem“.
In ROADS sind die wichtigsten Daten über die Baustellen gespeichert, an einem Multi-Touch-Tisch werden sie visualisiert. Können Baumaßnahmen zusammengefasst, müssen sie verlegt werden? Fragen wie diese können die Experten an dem Planungstisch diskutieren und verschiedene Szenarien am Bildschirm durchspielen. „Das System bringt die unterschiedlichen Akteure des LSBG, der Bezirksämter und der Leitungsträger zusammen. Sie können zeitliche Überschneidungen leicht erkennen und die Planung entsprechend verbessern“, sagt Dr. Eugen Reiswich, Projektleiter bei WPS.

Situationen frühzeitig erkennen
Was ROADS nicht zeigen kann, ist, welche Auswirkungen die Planung auf die Verkehrssituation vor Ort hat. Wie beeinflusst die Baustelle tatsächlich den Verkehr? Wie viel Stau verursacht sie zu unterschiedlichen Tageszeiten? Gibt es planerische Alternativen? „Wir wollen problematische Situationen erkennen, bevor sie auf der Straße sind“, sagt Reiswich.
Um dies zu erreichen, haben WPS und der Lehrstuhl für Human-Computer Interaction am Fachbereich Informatik der Universität Hamburg ein gemeinsames Forschungs- und Entwicklungsprojekt gestartet, das von der IFB Hamburg im Rahmen des Programms PROFI Transferplus mit rund einer halben Million Euro gefördert wird. Mit diesem Programm werden innovative Projekte aus verschiedensten Branchen unterstützt, bei denen Hamburger Unternehmen und Hochschulen oder Forschungseinrichtungen eng zusammenarbeiten.

Umfangreiche Verkehrsdaten visualisieren 
iPlanB (Interaktive Big-Data-Analysen für die Planung von Baumaßnahmen) ist ein Zusatzmodul von ROADS. Es verarbeitet Verkehrsdaten, aktuelle und solche aus der Vergangenheit. WPS entwickelt die Software und wird von der Universität Hamburg bei der Visualisierung der Daten unterstützt. „Wir wollen große Datenmengen möglichst verständlich darstellen. Die Anwender sollen schnell die Situation erfassen, sie beurteilen und alternative Lösungen entwickeln können“, sagt Reiswich. Möglichst alle an einer Baustelle Beteiligten sollen sich so abstimmen können. Das ist die Vision. 
Forschung ist teuer, ohne die Förderung durch die IFB Hamburg, den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie die Stadt Hamburg wäre sie nicht durchführbar. „Die Baustellenplanung verlangt eine Forschung in die Tiefe, die wir ohne Hilfe kaum hätten leisten können“, sagt WPS-Geschäftsführerin Dr. Carola Lilienthal. Ende 2018 ist die Förderung für WPS ausgelaufen, ein Prototyp von iPlanB läuft bereits. Den Planungsaufwand und die Kosten zu senken, Staustunden und damit auch Emissionen zu vermeiden – das sind die Ziele. Sollten sich die Erwartungen an das System erfüllen, könnte es auch für andere Städte von Interesse sein. Etwas Vergleichbares gibt es bislang nicht.

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Bild Credits:

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  • IFB Hamburg / Jörg Müller
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