Vereinen und Verbänden dabei zu helfen, ihre Mitglieder effektiv vor Gewalt, Diskriminierung und Machtmissbrauch zu schützen, ist die Mission von wellplayd. Unterstützt mit Mitteln aus dem InnoFounder-Programm der IFB Innovationsstarter GmbH hat das Startup eine Software für Good Governance und Compliance im Sport entwickelt.
Gewaltprävention im Sport – das ist ihr Thema. Wie Strukturen kinderfreundlicher, gewalt- und diskriminierungsfreier gestaltet werden können, darüber hat Janina Jaspers über mehrere Jahre Vereine und Verbände beraten. Zu dem Themenkomplex arbeitet sie wissenschaftlich als Promovierende an der Sporthochschule Köln und seit kurzem beschäftigt sich die 33-jährige Psychologin auch unternehmerisch damit – als Gründerin von wellplayd.
Team von Wellplayd
Rund 29 Millionen Menschen sind in Deutschland in Sportvereinen organisiert, darunter viele Kinder und Jugendliche. Laut einer wissenschaftlichen Studie haben rund 70 Prozent schon einmal eine Form von Gewalt erlebt. Weil dem so ist, haben der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Deutsche Sportjugend den „Safe Sport Code“ entwickelt – ein für die Verbände verpflichtendes Regelwerk, das psychische, physische oder sexualisierte Gewalt im Sport möglichst verhindern und dazu beitragen will, eine Kultur des Hinsehens in den Verbänden und den 86.000 Sportvereinen des Landes zu etablieren. Zugleich regelt er Sanktionsmaßnahmen für diejenigen, die Gewalt ausüben.
„Wir wollen zur rechts-und datenschutzkonformen Umsetzung der Schutzkonzepte beitragen und damit Verbände sowie Vereine entlasten“, beschreibt Janina Jaspers die Zielsetzung von wellplayd. Denn der regulatorische Aufwand ist erheblich. So sind für Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, erweiterte Führungszeugnisse einzuholen. Anonymisierte Meldewege für Verdachtsfälle müssen geschaffen, Einverständniserklärungen für die Verwendung von Fotos etwa von Veranstaltungen eingeholt werden und vieles mehr. wellplayd bündelt diese oft sensiblen Daten an einem Ort. Das schafft Sicherheit und spart Zeit – ersetzt jedoch nicht, dass die Vereine und Verbände gemeinsam mit Fachberatungstellen zuvor Schutzkonzepte entwickeln, Ansprechpersonen schulen sowie Mitglieder und Engagierte sensibilisieren müssen.
Screenshot aus der Software von Wellplayd
Seit Frühjahr diesen Jahres ist die Plattform online, sie ist die erste, die die Schutzkonzepte in die digitale Welt überführt. „Unsere größten Konkurrenten sind die Excel-Tabelle und der Aktenordner“, sagt Janina Jaspers lachend. Die Kunden von wellplayd zahlen eine Lizenzgebühr, die Vereine und Verbände sorgen mithin selbst für die finanzielle Nachhaltigkeit und mittelfristige Unabhängigkeit des Startups von Fördermitteln. „Nur so kann eine langfristig verlässliche Infrastruktur entstehen, die ständig weiterentwickelt werden muss“, meint Janina Jaspers.
„Uns geht es darum, den Schutz für die Menschen in den Organisationen zu verbessern“, betont die Gründerin. „Die Eltern müssen ihre Kinder beruhigt in die Vereine schicken können. Engagierte müssen machbare Rahmenbedingungen haben, um das Schutzkonzept im Alltag umzusetzen. Und Vorstände müssen zeigen können, dass sie ihre Verantwortung ernst nehmen und etwas für den Schutz im Verein oder Verband unternehmen. Den Kunden dies dauerhaft und zuverlässig zur Verfügung zu stellen, steht bei wellplayd an erster Stelle.“
Ursprünglich in Köln gegründet, ist wellplayd inzwischen nach Hamburg umgezogen, mit der Kommunikationsagentur brinkertlück sitzt einer der Co-Gründer in der Stadt. Mit seinen Startup-Netzwerken sei Hamburg ein „superguter Gründungsstandort“, findet Janina Jaspers, die den Antragsprozess bei den IFB Innovationsstartern als „extrem wertschätzend, effektiv und inhaltlich hilfreich“ erlebt hat. Gefördert wird das Startup über das InnoFounder-Programm, das innovative Gründungsvorhaben insbesondere aus dem Digital-Bereich mit Zuschüssen unterstützt. Über einen Zeitraum von bis zu 18 Monaten wird eine Förderung von maximal 2.500 Euro pro Monat für höchstens drei Personen ausgezahlt.
Die Förderung läuft noch bis Mitte kommenden Jahres. Janina Jaspers, die von sich sagt, dass sie gerne Dinge anstößt, selber entscheidet und Verantwortung übernimmt, denkt schon über diesen Zeitpunkt hinaus. „Der Schutz für Kinder und Jugendliche treibt mich an. Viele Organisationen haben ähnliche Herausforderungen wie die Sportvereine.“ Der Plan ist, wellplayd ebenso Kindergärten, Schulen oder Trägern der Kinder- und Jugendhilfe anzubieten.