Foto der IZAAC.ENERGY-Gründer Jonas Niemann, Eike Christian Toepfer und Niklas Andratzek (von links nach rechts)

In Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) entwickelt das Startup IZAAC.ENERGY eine Steuerungsplattform, die durch die Vernetzung verschiedener Energiesektoren sowohl Kosten spart als auch Emissionen senkt. Die IFB Hamburg fördert das Projekt mit den Namen „SYMBIOSE“ aus dem Programm PROFI Transfer Plus.

In der Biologie bezeichnet der Begriff der Symbiose die engen, oft langfristigen Wechselbeziehungen mehrerer Organismen zum gegenseitigen Vorteil. In der Energiewirtschaft sei das ganz ähnlich, meint Eike Christian Toepfer, Co-Founder von IZAAC.ENERGY. „Die Kombination aus vielen Faktoren bringt den größten Mehrwert.“ 

Photovoltaikanlagen, Ladeinfrastruktur, Wärmepumpen, Batterie- oder Wärmespeicher, Abwärme oder Kühlprozesse, auch klassische Technologien wie Blockheizkraftwerke bringt das Startup in einem System zur Modularen Betriebsführung Integrierter Optimaler Sektorenkopplung (kurz: SYMBIOSE) zusammen. „Alles fließt mit rein“, sagt Toepfer. Die Anlage steuert auch die Einspeisung oder den Verbrauch von Strom aus dem Netz zu möglichst günstigen Preisen und geringen Emissionen.

Grafische Darstellung von Liegenschaft, Verteilnetz & Nachbarschaft und Markt.

System zur Modularen Betriebsführung Integrierter Optimaler Sektorenkopplung (SYMBIOSE)

Unternehmen aus Industrie und Gewerbe, die Leistung im Megawatt-Bereich benötigen sind die Zielgruppe des Startups, das auch die Planung der Anlagen übernimmt, die Toepfer mit kleinen Kraftwerken vergleicht. Erste Pilotkunden sind gefunden, darunter ein mittelständisches Busunternehmen im süddeutschen Raum. „Wir wollen erreichen, dass der Betrieb von E-Bussen günstiger ist als der Dieselbetrieb“, meint Toepfer. Dabei geht es nicht nur um die Steigerung der Energieeffizienz, sondern auch um die Sicherung der Langlebigkeit der Anlage etwa durch vorausschauende Wartung, um die Sicherheit der IT und ihre Unabhängigkeit. „Wir nutzen ausschließlich Server europäischer Anbieter ohne Verbindungen zu außereuropäischen Unternehmen“, sagt Toepfer. 

Teil des Projektes ist die Arbeitsgruppe von Sebastian Timmerberg, Professor für nachhaltige Energiesysteme, erneuerbare Kraftstoffe und Energiewirtschaft an der HAW. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen an der Bestimmung der CO2-Emissionen in Echtzeit und der Netzstabilität bei Interaktion mit dem Stromnetz. Das Startup hingegen verantwortet die Gesamtlösung, inklusive der Entwicklung der Steuerung und der Software. 2022 zunächst als Drei-Personen-Ingenieurbüro zur Beratung und Planung der Energiewende gegründet, hat sich IZAAC.ENERGY inzwischen zu einem Technologieunternehmen gewandelt, das neben den Ingenieursleistungen auch Software und sogar Hardware entwickelt und inzwischen 14 Mitarbeitende beschäftigt.

„Ohne die Förderung hätten wir diesen Schritt nicht gehen können“, meint Toepfer. So wurden im Rahmen von SYMBIOSE vier Vollzeitstellen für Softwareentwickler, Machine Learning (ML) Engineers und Data Scientists geschaffen. Der Wirtschaftsingenieur ist davon überzeugt, dass Wirtschaftlichkeit und CO2-Reduktion langfristig Hand in Hand gehen. Mit insgesamt 1,4 Millionen Euro unterstützt die IFB Hamburg das Projekt. Die Mittel, kofinanziert von der Europäischen Union, stammen aus dem Programm PROFI Transfer Plus, das die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen unterstützt. Es fördert Kooperationen in den Technologiefeldern Gesundheit, Klima und Energie, Mobilität, Materialwissenschaften und Neue Materialien sowie Data Science und Digitalisierung mit maximal zwei Millionen Euro.

Bis Anfang 2028 wird SYMBIOSE aus dem Programm finanziert. „Uns war es zunächst wichtig, ein vernünftiges Fundament zu schaffen“, beschreibt Toepfer den Stand des Projektes. Die Infrastruktur für das maschinelle Lernen und das Training der Algorithmen steht, die Entwicklung einer physikbasierten Simulation der Anlage ist kurz vor der Fertigstellung. Schon jetzt ist sich Toepfer sicher: „Das wird nicht unser letztes Softwareprojekt sein.“