Nicht nur für Versicherungen sind manipulierte Bilddateien und Dokumente ein Problem. Der vom Startup Vaarhaft entwickelte „Fraud Scanner“ erkennt Fälschungen in Sekundenschnelle. Gefördert wurde das Unternehmen mit den InnoFinTech-Programm der IFB Innovationsstarter.
Der Kratzer im Autolack, das Foto vom defekten, angeblich heruntergefallenen und natürlich nagelneuen iPhone, eingereicht zur Schadensregulierung mit der ebenfalls gefälschten Rechnung: In Zeiten von Künstlicher Intelligenz (KI) sind solche Betrügereien ein Kinderspiel und nehmen rasant zu. Versicherungen haben selbst nur begrenzte Möglichkeiten, sie auch zu entdecken.
Wie glaubwürdig Fotos aber auch Zeugnisse, Urkunden oder Rechnungen sind, überprüft der Fraud Scanner von Vaarhaft. Die Software ist über eine Schnittstelle mit der des Kunden verbunden. „Wird ein Schaden gemeldet, wandern die Anhänge automatisch zu uns. Die Versicherungen erfahren innerhalb weniger Sekunden, ob etwa ein Bild mit einer KI generiert oder an welcher Stelle es bearbeitet wurde“, erläutert Linus Kameni, CEO von Vaarhaft. „Das reduziert die Betrugsquote und hilft, Kosten zu senken.“ Abgerechnet wird pro Bild und Dokument. Je mehr Fotos analysiert werden, desto günstiger wird die Einzelanalyse.
Versicherungen sind nur ein Anwendungsbeispiel des Fraud Scanner, sie sind der Eintrittsmarkt für das Ende 2023 gegründete Startup. „Grundsätzlich ist unsere Software überall einsetzbar, wo mit gefälschten Bildern oder Dokumenten betrogen wird“, meint Kameni. Bei manipulierten Lohnabrechnungen etwa, um bei Banken die Bonität in die Höhe zu treiben. Oder beim Betrug mit Retouren, bei dem es um die Erzielung von Wiedergutmachungen geht.
Gut zwei Jahre hat das Gründer-Trio Linus Kameni, Anne Patzer und Paul Franken ihre Software nicht nur entwickelt, sondern auch tatsächlich geforscht, wie Kameni betont. So ist ihre KI-Technologie selbstlernend und reagiert mit kontinuierlichen Anpassungen auf die immer neuen, verfeinerten Betrugsversuche in der dynamischen Cyber-Welt. Als permanentes Katz-und-Maus-Spiel beschreibt Kameni die Auseinandersetzung zwischen Betrügendeen und ihren Entlarvenden. Wobei es den Gründenden nicht nur um Betrugserkennung geht. „Letztlich ist unsere Mission, die Glaubwürdigkeit digitaler Medien zu schützen“, betont Kameni. Daher auch die Namenswahl „Vaarhaft“, der für Wahrhaftigkeit, Vertrauen und Ehrlichkeit steht.
In Wedel und Berlin sind die drei Jungunternehmenden ansässig, in der Hauptstadt wurde die Firma auch zunächst gegründet, siedelte dann aber nach Hamburg um. Ausschlaggebend dafür war auch das InnoFinTech-Programm der IFB Innovationsstarter, das Startups aus den Bereichen FinTech, PropTech und InsurTech sowie angrenzender Segmente mit Zuschüssen von bis zu 200.000 Euro unterstützt. „Die Stadt hat coole Förderprogramme, wir haben aber auch Investoren aus Hamburg“, erzählt Linus Kameni. „Die Förderung war gerade in unser ersten Phase extrem wichtig. Wir konnten an unserem Produkt forschen, es weiterentwickeln und haben noch tolle Netzwerkeffekte hinzubekommen. Das Programm war genau richtig für uns.“
Mit der SafeCam, einem Echtheitszertifikat für digitale Bilder, hat Vaarhaft ein weiteres Produkt entwickelt, das in diesem Jahr auf den Markt kommen soll. Der Schwerpunkt aber liegt auf der Skalierung des Fraud Scanners. „Unser System funktioniert, wir müssen nicht mehr großartig herumforschen“, meint Kameni. „Jetzt geht es darum, im Markt ordentlich Gas zu geben.“