Aortex-Gründer Henry Stehle und Maximilian Dunker

Ein Aorten-Aneurysma bleibt oft lange unbemerkt – und wenn es entdeckt wird, ist die sichere Behandlung für viele Betroffene bis heute nicht möglich. Der Grund: Für die gängigen Gefäßstützen sind die benötigten Katheter schlicht zu groß. Besonders für Frauen ist die Behandlung daher vielfach mit Komplikationen verbunden. Abhilfe für dieses Problem verspricht die von Aortex entwickelte Herstellungstechnologie, die minimalinvasive Eingriffe erstmals auch für Patient*innen ermöglicht, die bisher ausgeschlossen waren. Die IFB Innovationsstarter unterstützen das Startup mit dem InnoRampUp-Programm.  

Als erstes haben sie ihre Idee Chirurg*innen präsentiert sowie Hersteller*innen von Medizinprodukten. Deren Reaktion war eindeutig, erzählt Henry Stehle, Co-Gründer von Aortex: „Die häufigste Frage, die wir bekamen war: Wann können wir das Produkt testen?“ 

Aortex-Gründer Henry Stehle

Henry Stehle, Co-Gründer von Aortex

Kleiner, haltbarer, schneller herstell- und individuell anpassbar sollen die Gefäßstützen sein, die das Startup produzieren will ­und damit potentiell lebensrettend für mehr als 100.000 Menschen jährlich weltweit, die an einem Aneurysma, einer Erweiterung einer Arterie, erkrankt sind. Und die mit herkömmlichen Stentgrafts, die aus sehr feinem Drahtgeflecht kombiniert mit textilen Kunststoffmembranen bestehen und minimalinvasiv mittels Katheter in ein Blutgefäß eingeführt werden, nicht behandelt werden können, weil die Katheter zu groß sind. 

Das trifft vor allem Frauen und Menschen, die kleinere Zugangsarterien haben. „Sie können nicht minimalinvasiv operiert werden, sondern müssen sich einer oftmals hochriskanten offenen Operation unterziehen“, erläutert Stehle. Zudem benötigen viele Patient*innen individualisierte Stentgrafts. Deren Herstellung aber nimmt mehrere Monate in Anspruch und kommt für die Betroffenen oft zu spät. 

Die Lösung von Aortex hat dem Startup den ersten Platz bei Wettbewerben wie den LSN Venture Days, Gründergeist 2025, The Ventures – Best Product und START Paris eingebracht. Die Innovation besteht vor allem in einer neuartigen Membran, die um 50 Prozent dünner ist als bei herkömmlichen Modellen und bis zu 20 Prozent kleinere Katheter ermöglicht. Das Material weist zudem eine hervorragende Haltbarkeit auf, während aktuelle Modelle oft nach gut zehn Jahren eine Reintervention benötigen. Und es braucht nur wenige Tage anstatt mehrerer Monate, bis ein individualisierter Stentgraft bei Patient*innen implantiert werden kann.

Henry Stehle ist wie sein Mitgründer Maximilian Dunker Maschinenbauer. Die zum Patent angemeldete Fertigungstechnologie hat bereits die Bestätigung der Neuheit erhalten und wird im nächsten Schritt international angemeldet. Für die Gründung nehmen beide wertvolles Wissen und Erfahrung aus ihren vorigen Berufen mit: Stehle als Strategieberater bei Accenture, Dunker als Produktmanager bei Vibracoustic.

Aortex-Gründer Maximilian Dunker

Maximilian Dunker, Co-Gründer von Aortex

Eine ihrer ersten Maßnahmen war, die Förderung bei den IFB Innovationsstartern zu beantragen. „Dass wir unser Produkt vorantreiben und uns zu 100 Prozent auf unser Startup konzentrieren können, ist der Förderung zu verdanken“, betont Stehle. „Ohne sie wären wir heute nicht so weit, wie wir nun bereits sind.“ Mit bis zu 150.000 Euro unterstützt das InnoRampUp-Programm der IFB Innovationsstarter technologiebasierte Startups bis zu zwei Jahre nach der Gründung, sofern sie eine realistische Chance auf wirtschaftlichen Erfolg haben.

Die hat Aortex. Mit einem Umsatzpotenzial von jährlich über 133 Millionen Euro kalkuliert das Startup. In den nächsten Monaten sollen mit weiterentwickelten Prototypen weitere quantitative Leistungsdaten gewonnen werden. „Durch diese Tests an Universitäten und Laboren werden wir für Investoren sehr interessant werden“, ist Stehle überzeugt. Die regulatorischen Anforderungen für Medizinprodukte sind hoch. Rund zehn Millionen Euro wird die Produktentwicklung kosten. Bis Chirurg*innen die Stentgrafts einsetzen können, bis sie an Krankenhäuser weltweit geliefert werden können, wird noch einige Zeit vergehen. Stehle: „Wir rechnen damit, 2030 auf den Markt zu kommen.“