Die Software-Plattform von HIVESOUND digitalisiert und optimiert die Arbeitsabläufe von Imker*innen mithilfe eines KI-Sprachassistenten. Zudem geben Sensoren im und am Bienenstock frühzeitig Auskunft über Anomalien. Die IFB Innovationsstarter fördern das Startup mit ihrem Programm InnoFounder.
Gründen heißt lernen. Und für Kevin Kraus und Julian Obrecht, Gründer von HIVESOUND, war eines seiner zentralen Learnings die Entwicklung eines Produktes, das den klaren Mehrwert für die Kund*innen in den Mittelpunkt stellt und einfach zu kommunizieren ist. „Angefangen haben wir mit der Analyse von Stresserscheinungen bei Bienen anhand des Summens“, erzählt Kraus. Daraus entstand ein Imker-Management-System, das die Bienenhalter*innen entlastet und die Betreuung der Völker verbessert. Denn Imkern ist auch Bürokratie.
Julian Obrecht und Kevin Kraus, Gründer von HIVESOUND
Sanftmütig oder aggressiv, wie verhalten sich die Bienen? Haben sie genügend Futter? Wie ist das Muster auf der Brutwabe? Wann wurde die Königin zuletzt gesehen? Wie viel Honig wurde von welchem Volk geerntet? Dinge wie diese notieren Imker*innen auf Stockkarten, meistens mit Stift und Papier. HIVESOUND digitalisiert diesen Prozess, die Imker*innen sprechen ihre Beobachtungen in die App, das Sprachmodel dokumentiert, katalogisiert und wertet diese Informationen aus. „Alle Angaben sind an einem Ort und die Imker haben die Hände frei für andere Dinge“, sagt Kraus.
Die App ist das Kernangebot von HIVESOUND. Eine Erweiterung umfasst Sensoren, die in oder am Bienenstock angebracht sind. Sie erfassen Umweltdaten wie das Wetter oder den Blütenstand, messen Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Gase im Bienenstock, dessen Gewicht und auch die Schallfrequenz der Bienen – alles Informationen, die Auskunft über den Gesundheitszustand der Völker geben und letztlich zur Steigerung der Honigproduktion führen. Zukunftsmusik ist ein digitaler Bienenstock-Zwilling, der auf Grundlage der Daten konkrete Handlungsempfehlungen gibt. „Derzeit konzentrieren wir uns darauf, den Imkern eine Software anzubieten, der sie langfristig vertrauen können und die ihnen hilft.“
Die Zielgruppe von HIVESOUND sind in erster Linie Hobby- und Nebenerwerbsimker*innen. Rund 150.000 gibt es in Deutschland, Kraus ist einer von ihnen. Seine Völker bewohnen den Garten seines Vermieters in Stellingen. Der Wirtschaftsinformatiker ist erst im Laufe des Projekts zum Imker geworden, das seinen Ursprung in einem Seminar an der Universität Hamburg hatte. Darin ging es unter anderem um den Informationsgehalt des Summens im Bienenstock.
Die technische Herausforderung, mit modernen KI-Technologien etwas Sinnvolles zu schaffen, gepaart mit der Faszination für die Honigbiene, machen für den Informatiker Kraus den Reiz der Gründung aus. Ihre Idee kam an: So waren Kraus und Co-Gründer Julian Obrecht einer der Gewinner der Hamburg Innovation Awards. Die IFB Innovationsstarter fördern HIVESOUND im Programm InnoFounder. Das Programm unterstützt neuartige, digitale Gründungsvorhaben mit maximal 75.000 Euro. Die Höhe der Zuwendung beträgt pauschal 2.500 Euro pro Monat und ist auf maximal drei Personen und 18 Monate begrenzt. „Dass wir jetzt ein klares Produkt mit einem eindeutigen Mehrwert haben, haben wir InnoFounder zu verdanken“, meint Kraus.
9,90 Euro pro Monat kostet die Pro-Version der Software im Jahres-Abo, ein Starter-Paket gibt’s bereits ab 4,90 Euro, die ersten Kund*innen haben eines der beiden abgeschlossen. Möglichst viele sollen in diesem Jahr hinzukommen. Kraus ist da optimistisch. „Es gibt immer mehr junge, technikaffine Imker, die total an Verbesserungen für ihr Hobby interessiert sind.“