Cido öffnet Türen

Wenn ihre Technik sich durchsetzt, braucht der Postmann nicht mehr zweimal zu klingeln. Das Startup Cido hat ein schlüsselloses Zugangssystem zu Mehrfamilienhäusern entwickelt. Die IFB Hamburg unterstützt die jungen Gründer bei ihrem innovativen Vorhaben mit einem Zuschuss aus dem Programm InnoRampUp.

Die Zahl ist beeindruckend und sie wächst stetig: 3,16 Milliarden Pakete verschicken die Deutschen jedes Jahr, ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. „Doch wenn die Pakete ankommen, sind die Leute meist nicht zuhause“, sagt Dr. Julian Wulf. Der Paketversand kostet oft Zeit, Nerven, Geld, er generiert Verkehr, belastet die Umwelt. „Es braucht Lösungen“, stellt Wulf fest.

Der Wirtschaftsinformatiker und sein Partner Felix Ueckermann haben eine entwickelt, auch aus „persönlichem Schmerz“, wie sie sagen, denn sie bestellen selbst gerne im Internet. Cido heißt sie, was wiederum steht für: „Come in and Drop off“, ein schlüsselloses Zugangssystem zu Mehrfamilienhäusern für Paketboten.

Das funktioniert so: An der Klingelanlage wird ein Barcode-Scanner installiert, mit dem sich die Sendungsnummer eines Paketes auslesen lässt. Ist das Paket für einen Mitbewohner bestimmt, öffnet das System die Haustür. Im Treppenhaus legt er die Sendung in eigenen Schließfächern oder Pakettaschen ab, die nur der Empfänger öffnen kann. Zugang zu den Wohnungen erhält er nicht. Von der Installation, so die Gründer, profitieren die Kunden ebenso wie die Lieferanten. Die Empfänger sind nicht mehr auf Paketstationen oder die Hilfsbereitschaft ihrer Nachbarn angewiesen, die Zusteller können ihre Pakete tatsächlich auch ausliefern.

Die Idee entwickelte das Duo an der Universität Hamburg. Am Institut für Logistik und Transport schrieb Julian Wulf an seiner Doktorarbeit, betreute auch Abschlussarbeiten von Studierenden, darunter die von Felix Ueckermann, in dem dieser bereits die Grundzüge des Systems entworfen hatte. Daraus wurde dann das Startup Cido.

Ein Exist-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums ermöglichte ihnen die Weiterentwicklung ihres Produktes. Um die Idee bekannter zu machen, nahmen sie an Pitches teil – und belegten unter anderem beim Hamburger Innovation Award 2018 den ersten Platz in der Kategorie „Start“. Und sie bewarben sich erfolgreich um die InnoRampUp-Förderung, mit der die IFB Hamburg technologisch innovative Startups mit realistischen Erfolgsaussichten unterstützt, sofern diese jünger als zwei Jahre sind und ihren Sitz in Hamburg haben.

„Das Programm ist eine große Unterstützung“, sagt Felix Ueckermann, „Man bekommt einen erfahrenen Berater zur Seite, der all die Fallstricke kennt, definiert Meilensteine der Entwicklung.“ Für die weitere Produktentwicklung, für die Anschaffung von Geräten wie einem 3D-Drucker setzt das Duo die 150.000 Euro ein. Mittlerweile ist die Prototypen-Phase abgeschlossen, die Technik in Pilotprojekte installiert.

„Unser Ziel ist jetzt die Integration von Cido in die Klingelanlagen. Sie sind häufig modular aufgebaut und wir möchten ein Modul werden“, erzählt Julian Wulf. Gespräche mit Herstellern verlaufen vielversprechend. Überhaupt hat das Duo viele Gespräche geführt in letzter Zeit: Mit Vertriebspartnern, der Wohnungswirtschaft und mit Logistikern, darunter allen großen Paketdiensten. „Das Interesse ist auch bei ihnen vorhanden, schließlich erleichtern wir ihr Leben“, sagt Wulf.

Die Gründer planen, im ersten Halbjahr 2019 mit ihrem Produkt auf den Markt zu kommen. Sie sind von ihrem Angebot überzeugt, auch weil es zur Entzerrung innerstädtischer Verkehre beitragen könnte, das ist ihnen wichtig. Einen Königsweg zur Bewältigung der Paketflut gäbe es wahrscheinlich nicht, meint Wulf. Cido sei da nur eine Möglichkeit. „Aber wir bieten eine unabhängige Lösung ab, die für alle funktioniert – auch für die verschiedenen Paketdienstleister.“

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